Beratung - Organisation - Kultur

Düngeplanung und Nährstoffvergleich

Die neue Düngeverordnung ist am 2. Juni 2017 in Kraft getreten. Über die Düngeverordnung wird in Deutschland seit 1996 die EG-Nitratrichtlinie (91/676/EWG) zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen umgesetzt. Durch eine Effizienzsteigerung bei der Düngung sollen nun die Umweltbeeinträchtigungen durch Düngungsmaßnahmen wirkungsvoller begrenzt werden.

Die nun vorliegende Broschüre (siehe weiterführende Informationen) wurde in Zusammarbeit mit einem Redaktionsteam von Experten und in Abstimmung mit dem BMEL erarbeitet. Sie wendet sich an die landwirtschaftliche Praxis sowie die Beratung. Sie dient vornehmlich der Erläuterung der rechtlichen Vorgaben auf Bundesebene und gibt Hinweise zu den noch ausstehenden Umsetzungen in den Bundesländern.

 

weiterführende Informationen/ Quellenangaben

Klages, S.*) (2017): Die neue Düngeverordnung. Hrsg.: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).56 S.
kostenloser Download unter BLE-Medienservice(www.ble-medienservice.de), http://shop.aid.de/1756/die-neue-duengeverordnung

*) unter Mitarbeit des Redaktionsteams: Apel, B., Baumgärtel, G., Benke, M., Feller, C., Honecker, H., Hüther, J., Loeloff, A., Pfleiderer, H., Schultheiß, U., Olfs, H.-W., Wulf, S., Osterburg, B.

Auch nach alter Düngeverordnung (2006) mussten landwirtschaftliche Betriebe ihre Düngungsmaßnahmen planen – wobei es jedoch keine genauen methodischen Vorgaben gab – und jährlich einen Nährstoffvergleich als Feld-Stall-Bilanz durchführen. Eine Stickstoffobergrenze von 170 kg N/ha und Jahr war für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft einzuhalten. Einige emissionsstarke Aufbringungstechniken für Wirtschafsdünger waren bereits seit Ende 2015 verboten.

Die neue Düngeverordnung beinhaltet eine Reihe von grundlegenden Änderungen und ist wesentlich komplexer aufgebaut als ihre Vorgängerversion.

  DüV (2017): Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung) DüV vom 26. Mai 2017 (BGBl. I S. 1305)

Düngebedarfsermittlung

Der Stickstoffdüngebedarf muss nach bundeseinheitlichen Grundsätzen ermittelt und diese Ermittlung dokumentiert werden. Für Stickstoff werden hierzu umfangreiche Kalkulationsdaten in der Anlage der Düngeverordnung bereitgestellt. Berücksichtigt werden das Ertragsniveau und die Produktqualität, die N-Nachlieferung aus dem Boden und den Vor- und Zwischenfrüchten sowie die N-Bindung durch Leguminosen. Die Düngungshöhe darf die so ermittelte standortbezogen Obergrenze Sollwert nur in zu begründenden Ausnahmefällen überschreiten.

Aufbringungsobergrenze
Die bereits für N aus tierischen Ausscheidungen geltende Ausbringungsobergrenze von 170 kg N/ha und Jahr wird auf alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel ausgeweitet. Damit wird eine parallele Nutzung betriebsinterner und -externer organischer Dünger erschwert, zumal Derogationsregelungen für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft und für Gärrückstände in der DüV zwar ausgearbeitet, jedoch nicht in Kraft gesetzt sind.
Die für Kompost geltende Möglichkeit, die Ausbringungsobergrenze über 3 Jahre auf 510 kg N/ha zu aggregieren, ermöglicht weiterhin die Kompostverwertung vorwiegend durch Ackerbaubetriebe.
Da sich im Unterglasanbau die Ausbringungsobergrenze nur auf Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft bezieht, können Betriebe des Ökolandbaues dort höhere Mengen organischer Dünger einsetzen.

Nährstoffvergleich
Mit dem Nährstoffvergleich wird wie bisher auf Betriebsebene die Menge der eingesetzten Stickstoff- und Phosphordünger überprüft: ab dem Jahr 2020 wird der Kontrollwert (vormals betrieblicher Nährstoffüberschuss) für Stickstoff auf 50 kg N/ha und Jahr (im dreijährigen Mittel) abgesenkt, für Phosphor ab dem Jahr 2023 auf 10 kg P2O5/ha und Jahr (im sechsjährigen Mittel). Für Stickstoff können im Nährstoffvergleich Stall- Lagerungs- und Aufbringungsverluste abgezogen werden. Für die Schweinehaltung werden diese zulässigen Verlustabzüge an die Rinderhaltung nun angepasst und für beide Tierarten ab 1.1.2020 weiter vermindert, wodurch sich die Anforderungen des Nährstoffvergleichs in diesen Fällen schrittweise verschärfen.

Plausibilisierte Flächenbilanz
Im Rahmen des Nährstoffvergleichs wird für Futterbaubetriebe die s.g. plausibilisierte Flächenbilanz zur präziseren Erfassung der Nährstoffabfuhr von Futterbau- und Grünlandflächen zwingend eingeführt: damit werden die Nährstoffabfuhren von den betreffenden Anbauflächen über den betrieblichen Grobfutterverbrauch (Grünland, Ackerfutter, Mais und andere Grobfutterarten) ermittelt. Für erzeugtes, aber nicht vom Tierbestand aufgenommenens Futter können Grobfutterverluste von 15 % (Ackerfutter) bzw. 25 % (Grünland) zu den ermittelten Nährstoffabfuhren hinzugerechnet werden.

Herbstausbringung
Eine Herbstdüngung mit stickstoffhaltigen Düngemitteln auf Ackerland ist nur zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Wintergerste nach Getreidevorfrucht und mehrjährigem Feldfutter bis zum 1.Oktober bei nachgewiesenem Düngebedarf bis zu maximal 60 kg N/ha und Jahr zulässig. Eine Ausgleichsdüngung zu Stroh darf nicht mehr erfolgen.

Sperrzeiten
Die Sperrzeit für die Ausbringung organischer Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff endet in jedem Fall zum 31. Januar. Sie beginnt auf Ackerflächen nun mit Ende der Ernte der Hauptkultur, auf Grünland am 1. November, und für Gemüse am 1. Dezember. Für die Anwendung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und von Kompost wird eine Sperrzeit neu eingeführt; sie beginnt am 15. November und endet ebenfalls am 31. Januar des Folgejahres.

Lagerdauer

Die Lagerkapazität wurde bislang über die s. g. JGS-Verordnungen der Bundesländer geregelt. Nun gilt bundesweit für Gülle, Jauche Silagesickersäfte und Gärrückstände (in flüssiger und fester bzw. separierter Form) eine Lagerkapazität von mindestens 6 Monaten. Betriebe mit mehr als 3 GV/ha und flächenunabhängige Betriebe müssen ab 2020 sogar mindestens 9 Monate vorhalten. Für Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost muss entspechend der nun eingeführten einmonatigen Sperrzeit mindestens eine einmonatige Lagerkapazität nachgewiesen werden, ab 2020 ist eine mindestens zweimonatige Lagerkapazität Pflicht. Eine überbetriebliche Lagerung oder Verwertung von Wirtschaftsdünger, der nicht betriebsintern gelagert werden kann ist bei schriftlich abgefassten, vertraglichen Vereinbarung zulässig.
Vorschriften zur baulichen und technischen Ausgestaltung der Lagerbehälter und -flächen sind der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) zu entnehmen, die seit dem 1. August 2017 in Kraft ist.

Aufbringungstechnik und Einarbeitung

Auf Ackerland müssen organische bzw. organisch-mineralische Düngemittel – einschließlich Wirtschaftsdünger – unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von 4 h, eingearbeitet werden. Auf Ackerland müssen ab 2020 Gülle und andere flüssige organische und organisch-mineralische Düngemittel wie Gärrückstände streifenförmig – z. B. mittels Schleppschlauchverteiler – auf- oder eingebracht werden. Für Grünland und Feldfutterbauflächen gilt die Pflicht der streifenförmigen Auf- oder Einbringung ab 2025 – beispielsweise mittels Schleppschuhverteiler oder Schlitztechnik. Harnstoffdüngern muss ab 2020 ein Ureasehemmstoff zugesetzt sein, alternativ muss eine unverzügliche Einarbeitung erfolgen, spätestens innerhalb von vier Stunden nach Beginn der Aufbringung.

Aufbringungsverbote und -beschränkungen

Generell gilt das Aufbringungsverbot für alle N- und P-haltigen Stoffe nun innerhalb eines Gewässerrandstreifens von 4 m, auf stark geneigten Flächen beträgt die betreffende Randstreifenbreite sogar 5 m. Grundsätzlich muss ein 1 m breiter Gewässerrandstreifen ab Böschungsoberkante frei von jeglichen Düngern gehalten werden, hierfür ist die Landwirtin bzw. der Landwirt verantwortlich. Auf den stark geneigten Flächen ist die Festmist- und Geflügelkotdüngung im Abstand von 5 bis 20 m zum Gewässer zulässig, jedoch nur bei sofortiger Einarbeitung.

Ein Abschwemmen von Nährstoffen auf benachbarte Flächen ist generell zu vermeiden. Daher wurde auch die Aufbringung von Düngern auf gefrorenen Böden stark eingeschränkt und sind nur noch bis zu 60 kg N/ha zulässig, sofern der Boden am Tag der Aufbringung durch Auftauen aufnahmefähig wird, ein Abschwemmen nicht zu besorgen ist, der Boden eine Pflanzendecke trägt und ansonsten die Gefahr von Bodenverdichtungen oder Strukturschäden durch das Befahren bestehen würde. Festmist, feste Gärrückstände und Kompost können unter gleichen Bedingungen allerdings in höheren Mengen aufgebracht werden.

Bagatellgrenzen 

Bestimmte Flächen und Betriebe sind – wie bereits in der alten Düngeverordnung – von der Verpflichtung zum betrieblichen Nährstoffvergleich und von den Aufzeichnungspflichten befreit. Unter diese Bagatellgrenze fallen nun auch Strauchbeerenflächen und Flächen für den Energieholzanbau. Abzüglich dieser Flächen beträgt die Bagatellgrenze nun 15 ha LN bzw. 2 ha bei Sonderkulturen, sofern der jährliche N-Anfall aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft 750 kg N jpro Betrieb nicht übersteigt und keine Wirtschaftsdünger bzw. Gärreste in den Betrieb aufgenommen werden.

Länderermächtigungen

Die Bundesländer werden mit der Düngeverordnung aber auch ermächtigt, in den s. g. roten Gebieten die Vorgaben weiter zu verschärfen. Als rot werden Gebiete mit Grundwasserkörpern in schlechtem chemischem Zustand eingestuft (mit Nitratgehalten von mehr als 50 mg/l bzw. 37,5 mg/l mit steigender Tendenz), außerdem aufgrund von Phosphoreintrag eutrophierte Oberflächengewässer. Es müssen mindestens drei der in der Düngeverordnung gelistete Vorgaben in Landesrecht überführt werden. Dies kann z. B. eine Herabsetzung der Bagatellgrenze oder des Kontrollwerts betrennen, aber auch die Analytik organischer Düngemittel und des Bodens, Gewässerabstände, die Sperrzeiten und die Lagerkapazität sowie eine Teilnahme an Agrarumweltprogrammen.
Die Bundesländer werden darüber hinaus ermächtigt, für Betriebe mit Flächen über unbelasteten Grundwasserkörpern Erleichterungen für die Landwirte auszusprechen.

Aufzeichnungspflichten

Bei den für die Düngebedarfsermittlung erforderlichen Aufzeichnungen (inklusive Ausgangsdaten und Ergebnisse) handelt es sich um Pflichtangaben. Auch für die neu in der Düngeverordnung aufgenommenen Mindestlagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft und Gärrückstände müssen über die entsprechenden Berechnungen vorliegen.

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit der Düngeverordnung können nun weit höher, mit bis zu 150.000 Euro, geahndet werden.