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Interpretation von Daten der Pflanzenanalyse

Die Pflanzenanalyse als Teil einer zielgenauen Düngungsstrategie findet in letzter Zeit zunehmend Beachtung. Dies liegt daran, dass durch die Technik der Multielementanalyse die Pflanzenanalyse preiswerter und schneller geworden ist. Es liegt aber auch daran, dass ein Trend hin zu einer pflanzenbedarfsgerechteren Düngung zu verzeichnen ist, bei der mittels Blattdüngung zu einem späten Vegetationszeitpunkt bestehende Mängel beseitigt werden.
 
Wir werten für Sie bereits vorliegende oder neu zu erhebende Daten von Pflanzenanalysen nach verschiedenen Interpretationssystemen aus, sofern auch der korrespondierende Ertrag bzw. Ertragskomponenten erhoben wurden.


Gerne erstellen wir hierfür ein individuelles Angebot.

 

Eignung der Pflanzenanalyse zur Beurteilung der Nährstoffversorgung

Bei der Pflanzenanalyse ist die Pflanze selbst das Spiegelbild ihrer aktuellen Nährstoffversorgung. Die Konzentration der Nährstoffe im Pflanzengewebe wird von ihrem Nährstoffaneignungsvermögen bestimmt, ist von bodenphysikalischen und klimatischen Faktoren abhängig und reflektiert die Konkurrenz der Nährstoffe im Wurzelbereich.

Pflanzenanalysen liefern Informationen über die aktuelle Nährstoffversorgung der Kulturen, und zwar für alle Makro- und Mikronährstoffe. Wird die Probenahme vor dem Beginn des Massenwachstums bzw. der Einlagerungsphase durchgeführt und erfolgt eine umgehende Analyse und Datenauswertung, kann noch in derselben Vegetationsperiode mit Düngungsmaßnahmen auf nachgewiesene Nährstoffmängel, vorwiegend als Blattdüngung für Mikro- und Makronährstoffe, reagiert werden.

In jüngster Zeit wird in Deutschland Landwirten die Durchführung von Pflanzenanalysen vermehrt angeboten.

International wird die Pflanzenanalyse seit den 1970er Jahren routinemäßig von Anbauverbänden in Südafrika und Nordamerika (Zuckerrohr, Baumwolle) eingesetzt. Es wurden verschiedene Methoden entwickelt, um

  1. den Zielwert zu bestimmen, der für einen bestimmten Nährstoff in einem Kulturpflanzenbestand angestrebt werden soll und
  2. Ist- und Zielwert miteinander zu verrechnen.
 

Weiterführende Informationen/ Quellenangaben

Klages, S., Schnug, E. (2014): Methodenvergleich: Ermittlung von Richtwerten für die Pflanzenanalyse zur Beurteilung des Ernährungszustandes von Kulturpflanzen.  Vortrag, 17.09.2014, öffentliche Sitzung „Pflanzliche Produktion II: Pflanze, Boden, Umwelt" VDLUFA-Kongress 2014, Stuttgart-Hohenheim (Kurzfassung). 

Klages, S. (2012): Methodische Untersuchungen zur Bestimmung der Nährstoffversorgung ökologisch angebauter Baumwolle in Ägypten (Grundlagen zur Pflanzenanalyse, Präsentation)

Klages, S. (2012): Evaluation of the mineral status of organically grown cotton in Egypt. Dissertation. Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Fakultät für Lebenswissen-schaften (http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00042509).

Breuer, J., König, V., Merkel, D., Olfs, H.-W., Steingrobe, B., Stimpfl, E., Wissemeier, A.H.,  Zorn, W. (2006): Pflanzenanalyse zur Diagnose des Ernährungszustandes von Kulturpflanzen in Landwirtschaft, Gemüse- und Obstbau, Standpunkt. Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Versuchs- und Forschungsanstalten (Hrsg.), Darmstadt.

Verschiedene Methoden der Zielwertbestimmung

Die Zielwerte, im Englischen als 'Critical Values' bezeichnet, werden bestimmt, indem analysierte Nährstoffkonzentrationen in Relation zu Leistungsparametern (Ertrag, Qualität) gesetzt werden. Nach dem von Heym und Schnug (1995) entwickelten Grenzlinien-Verfahren (=Boundary Line Developement, BOLIDES) ist die Nährstoffkonzentration im Pflanzenbestand, die mit Höchsterträgen korelliert, am Scheitelpunkt einer Grenzlinie bzw. Hüllkurve um die Punktwolke anzutreffen, die sich aus den Wertepaaren (Nährstoffkonzentration/Ertragshöhe) bilden lässt. Andere Autoren definieren als Zielwert den Durchschnittswert aus den Nährstoffkonzentrationen der Pflanzenbestände, welche mit den 10-20 % der höchsten Erträge korrespondieren.

 

Methoden für den Vergleich von Analyse- und Zielwert

Eine Bewertung der aktuell gemessenen Werte durch Verrechnung mit den Zielwerten kann auf verschiedenste Weise erfolgen:

 

Heym, J., Schnug, E. (1995): A mathematical procedure for the development of boundary lines form XY scattered data. Aspects of applied biology, 43, 317-142.

  • PIPPA (Professional Interpretation Program for Plant Analysis; Professionelles Interpretationsprogramm für die Pflanzenanalyse; Schnug, 1990) nutzt als eindimensionales Evaluierungssystem die durch BOLIDES ermittelte Grenzlinienkurve um die Ertragsdifferenz zum Maximalertrag zu errechnen.
 

Schnug, E. (1990): PIPPA - a professional inter-pretation program for plant analysis data of oil-seed rape and cereals. Proc. Inaugural Congress of the European Socienty of Agronomy Paris, 1, 35.

  • DRIS (Diagnosis and Recommendation Integrated System, Integriertes Diagnose- und Beratungssystem, Sumner und Beaufils, 1975): setzt als zweidimensionales System die zu evaluierende Nährstoffkonzentration in ein Verhältnis zu allen anderen analysierten Pflanzennährstoffen und den dazugehörigen kritischen Nährstoffgehalten.
 

Sumner, M.E., Beaufils, E.R. (1975): Diagnosis of the NPK requirements of sugargane irrespective of plant age and season using Beaufils' system (DRIS) - preliminary observations. Proceedings of The South African Sugar Technologists' Association.

  • CND (Compositional Nutrient Diagnosis; Kombinatorische Nährstoffdiagnose; Parent und Dafir, 1992) als dreidimensionales System setzt die Nährstoff-gehalte zu ihren geometrischen Mittelwerten ins Verhältnis. Es werden aus diesem Term Logarithmen abgeleitet.
 

Parent, L.-E., Dafir, M. (1992): A theoretical concept of compositional nutrient diagnosis. J. Am. Soc. Hortic. Sci. (117), 239-242.

Alle drei Systeme ermöglichen ein Ranking der Nährstoffgehalte entsprechend ihres Defizits. Eine Übersicht über die verschiedenen bei der Auswertung der Pflanzenanalyse angewandten Methoden gibt diese Tabelle...

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte auch der Präsentation "Methodenvergleich".